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Bedford Stundenbuch

Preis Ausstellungsstück 5.380,00 Euro (inkl. Mwst.)

Das Bedford-Stundenbuch – das reichste Stundenbuch des Mittelalters - ging als kostbares Beispiel adliger Bibliophilie in die Geschichte der Buchmalerei ein. Unter der englischen Bezeichnung Bedford Hours wurde es als eines der reichsten Stundenbücher, das jemals ein Atelier verlassen hat, weltberühmt. Miniaturen aus dem Bedford-Stundenbuch wie der Turmbau zu Babel  gehören zu den am häufigsten abgebildeten Beispielen für die kreative Zeit der ersten Jahrzehnte des 15. Jahrhunderts. Die Kunst der gotischen Buchmalerei stand in ihrem Zenit; am Horizont deuteten sich schon die neuen Ideen des flämischen Realismus an.

Mit 578 Seiten im Format 263 x 184 mm ist das Bedford-Stundenbuch eine ungewöhnlich umfangreiche Bilderhandschrift. Insgesamt 38 großformatige Miniaturen zeugen von der ungeheuren Innovationskraft der Künstler. Jede Text- wie Bildseite wird von einem dichten Rankenwerk aus goldstrahlenden Weinblättern, Akanthusschmuck und kleinen Blüten und Tieren verziert. In diese Schmuckbordüren sind zusätzlich über 1250 Medaillons eingelassen, die die verschiedensten Szenen aus dem Alten und dem Neuen Testament wiedergeben. Damit ist jede Seite von mindestens zwei Bildern geschmückt, die das Bedford-Stundenbuch zur reichsten biblischen Ikonographie des Mittelalters machen. Der mit zahlreichen Goldinitialen und phantasievollen Zeilenfüllern durchsetzte Text ist lateinisch. Am Fuß jeder Seite stehen französische Erläuterungen der Miniaturen in roter, blauer und goldener Schrift.
Der Codex wird heute in London als einer der größten Kunstschätze der British Library verwahrt und ragt hier als Prunkstück unter den Handschriften hervor.

Das Bedford-Stundenbuch gehört zu den Glanzleistungen der Pariser Buchmalerei. Es entstand vollständig im Atelier des genialen Bedford-Meisters, der persönlich die meisten Miniaturen malte und für die anderen Bildern seinen Mitarbeitern genaue Instruktionen gab.
Obwohl der Bedford-Meister einer der führenden und produktivsten Maler dieser Zeit gewesen ist, hat erstaunlicherweise keine Quelle seine Identität überliefert. Den Notnamen lieferte der englische Herzog, der lange Jahre für den Auftraggeber des Stundenbuchs gehalten wurde: John of Lancaster (1389–1435), Herzog von Bedford und jüngerer Bruder des englischen Königs Heinrich V. Von ca. 1410 an war dieser begabte Maler für mehr als ein Vierteljahrhundert einer der bedeutendsten Buchmaler Europas.

Als das Werk entstand, befanden sich Frankreich und England schon seit vielen Jahrzehnten in einem Krieg, der als der »Hundertjährige« in die Geschichte einging. Es war der Herzog von Bedford, der seinerzeit in Allianz mit Burgund erfolgreich für das englische Anliegen kämpfte, halb Frankreich eroberte und schließlich sogar die Truppen der Jeanne d’Arc aufhielt. Er war es aber auch, der mit Anna von Burgund, Tochter des Herzogs Johann Ohnefurcht, in den kunstsinnigen Burgunder-Adel einheiratete und selbst viele prachtvolle Manuskripte anfertigen ließ.
 
Zu dieser Hochzeit im Jahre 1423 erhielt Anna wohl das Bedford-Stundenbuch als kostbares Präsent von ihrem Bruder Philipp, der es von seinem Vater Johann Ohnefurcht geerbt hatte, dem Auftraggeber der Handschrift.

Aus der Zweckehe zwischen dem Herzog von Bedford und Anna von Burgund wurde rasch eine große Liebe. Am Ende, nachdem Anna jung verstorben war, betrachteten Zeitgenossen das Stundenbuch, dessen Herstellung Unsummen verschlungen haben muß, als kostbares Zeichen jener tiefen Leidenschaft.

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