- von D. Kreh


Volker Kutscher / Goldstein

Sommer 1931 – die Wirtschaftskrise hält Berlin fest im Griff. Kommissar Gereon Rath bekommt den Auftrag, den jüdischen US-Gangster Abraham Goldstein zu beschatten. Doch eine kleine Unachtsamkeit der Polizei, „Abe“ Goldstein entwischt und besorgt sich eine Waffe. Fieberhaft heftet sich Rath an seine Spur. Aber das ist nur eine Baustelle, die Gereon Rath zu bewältigen hat. SA und Rotfront bekriegen sich auf offener Straße. Rivalisierende Banden verunsichern die Bürger Berlins. Und last but not least Charly Ritter, Gereon Raths "noch-immer-nicht-Verlobte", mit der er immer wieder gehörigen Krach bekommt. Der Auslöser diesmal: Charlie hat eine junge kriminelle Obdachlose unter ihre Fittiche genommen, obwohl diese bei einer Einbruchserie zu den Hauptverdächtigen zählt. Muss man gelesen haben. Der dritte Band der Gedeon-Rath-Reihe fasziniert von der ersten bis zur letzten Seite. Glanz und Elend der damaligen Zeit liegen hier eng beieinander. Die Bedrohung des Nationalsozialismus lässt sich nicht mehr verleugnen. Vorlage für die Fernsehserie Babylon Berlin.


Lee Child / Ausgeliefert

Jack Reacher ist eine Thrillerreihe von Lee Child, die es mittlerweile auf 25 Bände gebracht hat.

Den zweiten Band „Ausgeliefert“ möchte ich allen Krimi- und Thrillerfans wärmstens empfehlen. Der ehemalige Militärpolizist Jack Reacher bekommt es mit einem besonders brisanten Fall zu tun. In Chicago, tagsüber auf offener Straße, wird Holly Johnson, die Tochter eines der ranghöchsten Generäle Washingtons, entführt. Als Jack Reacher, der rein zufällig Zeuge der Entführung wird, ihr zu Hilfe eilen will, wird er ebenfalls überwältigt. Zusammen, aneinandergekettet, werden sie in einem Lieferwagen in die tiefen Wälder Montanas gebracht. Dort entpuppen sich ihre Entführer als gefährliche Psychopathen: Ihr perfider Plan, die Grundfesten der freien Weltordnung mit allen Mitteln zum Einsturz zu bringen. Die Rechnung haben Sie aber ohne Jack Reacher gemacht.

Dieses Buch ist bestens geeignet für den Urlaubskoffer. Mit immer neuen, atemberaubenden Wendungen wird der Leser bei der Stange gehalten. Wer auf spannende Thriller steht, kommt an Lee Child nicht vorbei.

Dietrich Kreh

 


Bernard Minier / Wolfsbeute

Christine Steinmeyer, eine bekannte und beliebte Radiomoderatorin, findet einen schockierenden Brief in ihrem Briefkasten. In diesem kündigt eine für sie unbekannte weibliche Person ihren Suizid an. Zuerst ist sie der Meinung das Ganze ist ein Versehen, jemand anderes hätte diesen Brief erhalten sollen. Doch es lässt sie keine Ruhe. Verzweifelt versucht sie gemeinsam mit ihrem Verlobten die Verfasserin des Briefes ausfindig zu machen. Am nächsten Tag wird sie im Radiostudio von einem Hörer kontaktiert, der ihr vorwirft, Schuld am Selbstmord der unbekannten Verfasserin zu sein, weil sie nichts dagegen unternommen habe. Schlagartig wird ihr klar, dass der Brief ganz bewusst an sie verschickt wurde. Ein Stalker hat sich in ihr Leben eingeschlichen und versucht sie mit perfiden Methoden in den Wahnsinn zu treiben. Zur gleichen Zeit bekommt anonym der in einer Rehaklinik befindliche Kriminalpolizist Martin Servas einen Hotelzimmerschlüssel zugeschickt. In dem beiliegenden Schreiben wird er aufgefordert, Ermittlungen zu einem zurückliegenden Fall wieder aufzunehmen. Vor einem Jahr kam in diesem Hotelzimmer eine junge Künstlerin grauenhaft ums Leben. Die Polizei ging damals von Suizid aus. Anfangs haben diese beiden Handlungsstränge nichts miteinander zu tun. Doch nach und nach wird ein Muster erkennbar. Wie sich die beiden Handlungsstränge miteinander verweben, ist unglaublich spannend zu lesen.

„Wolsbeute“ ist der dritte Fall mit Kriminalpolizist Martin Servas. Es wäre von Vorteil, seine vorangegangenen Bücher „Schwarzer Schmetterling“ und „Kindertotenlied“ zu lesen. Auch diese beiden Bücher sind genial.

Dietrich Kreh


P. James / Das Haus in Cold Hill

Lust auf Schauergeschichten? Dann hätte ich was passendes, genau das richtige für einen langen Abend bei einem Glas Rotwein gespickt mit einer guten Portion Gänsehaut.

Für die Harcourts geht ein Traum in Erfüllung. Um dem Großstadtmief zu entgehen hat die junge Familie ein altes viktorianisches Landhaus erworben. Jahrelang blieb das Gebäude unbewohnt. Um es gründlich zu sanieren, haben sie gemeinsam viel Geld in ihr neues Zuhause gesteckt. Nachbarn munkeln zwar, in dem maroden Gebäude würde es umgehen, aber die Harcourts lassen sich davon nicht abschrecken. Doch bald müssen sie feststellen, in dem alten Gemäuer lauert etwas, was ihnen nicht wohlgesonnen ist. Als sie versuchen, mehr über die düstere Vergangenheit des Hauses zu erfahren, streckt das Böse seine Krallen nach der Familie aus.

Das Grauen kommt hier auf ganz, ganz leisen Sohlen, steigert sich dann von Kapitel zu Kapitel bis zum haarsträubenden Finale. Peter James versteht es meisterhaft, seine Leser bei der Stange zu halten. Genau die richtige Lektüre dem Mainstream des Alltags zu entfliehen.


Don Winslow / Jahre des Jägers

Don Winslow präsentiert uns mit Jahre des Jägers den krönenden Abschluss seiner Trilogie über den amerikanisch-mexikanischen Drogenkrieg. US-Drogenfahnder Art Kellers Kreuzzug gegen den internationalen Drogenhandel ist nach Tage der Toten und das Kartell noch nicht zu Ende erzählt. Nach dem Tod des Drogen-Barons Adan Barrera beanspruchen neue Kartell-Bosse die Macht für sich und ein neuer Krieg beginnt. Heftiger und vernichtender als je zuvor, der bis vor die Tore des weißen Hauses nach Washington reicht, indem ein korrupter und umstrittener Präsident residiert.

Trotz seiner knapp 1000 Seiten Inhalt ist das Buch extrem spannend. Don Winslow schreibt kurz und knackig. Sein Schreibstil nimmt einen ab dem ersten Satz sofort gefangen. Jahre des Jägers beschreibt den nicht enden wollenden brutalen Kampf gegen das Drogen-Kartell.


Alma Katsu / The Hunger

April 1846 – aus Springfield, Illinois, macht sich ein Siedlertreck auf nach Kalifornien. Der Weg ist beschwerlich, doch die Hoffnung auf einen Neubeginn verdrängt alle Ängste und Sorgen. Noch vor dem Wintereinbruch wollen sie gemeinsam mit ihren Familien ihr Ziel erreichen. Doch die Reise steht unter keinem guten Stern. Angst vor einer unbekannten und gefährlichen Wildnis sowie Neid und Misstrauen beherrschen bald das Zusammenleben der Siedler. Als ein kleiner Junge verschwindet und bald darauf tot aufgefunden wird, eskaliert die Situation. Ihr Anführer, George Donner, beschließt daher eine Abkürzung über die Berge Sierra Nevadas. Doch ein plötzlicher Wintereinbruch mit Schnee und einer klirrenden Kälte hindert sie am Weiterkommen. Somit sitzen sie in der Falle. Es gibt kein Vor- und Zurück mehr. Ihr Proviant geht zur Neige, Krankheiten breiten sich aus. Und dann die Furcht vor etwas Unbekanntem, das den Treck schon von Anfang an zu verfolgen scheint. Diese Furcht vor etwas Bösem versetzt die Siedler immer mehr in Panik.

Die Handlung des Romans beruht auf historische Ereignisse. Die sogenannte Donner Party (Reisegruppe) war eines der  tragischsten Ereignisse in der Geschichte der Besiedelung Nordamerikas. 87 Männer, Frauen und Kinder machten sich auf ins gelobte Kalifornien, aber nur etwa die Hälfte erreicht ihr Ziel. Sie starben an Hunger, Krankheit und Erschöpfung. Manche von ihnen sollen auch dem Wahnsinn verfallen sein. Der Roman nimmt einen sofort mit auf diese beschwerliche Reise Das Buch ist flüssig und sehr spannend geschrieben aber mitunter auch beklemmend und sehr düster. Den Wunsch der handelnden Personen, etwas vollständig Neues zu wagen und das alte Leben hinter sich zu lassen kann man als Leser sehr gut nachvollziehen. Man leidet mit ihnen und hofft, dass sich das ganze Unternehmen doch noch zum Guten wendet.